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16Apr

Krokusweg: Gedanken einer Anwohnerin

Als wir 1992 das Grundstück im Primelweg kauften, der direkt auf den Krokusweg führt, befanden wir uns am Ende der Bebauung Ehingens auf diesem Gebiet. Nordöstlich und nordwestlich von uns lagen Felder, Raine, Hecken, Obstwiesen, eine Talsenke beherbergte noch Rebhühner und im Frühjahr hörte man die Lerchen steigen.

Auf unsere Anfrage hin, wie sich diese Gegend entwickeln könnte, hieß es von unserem Bauträger, dass auf die andere Seite des Krokusweges Einfamilienhäuser zu stehen kämen. Dahinter wäre ein Gewerbegebiet geplant. Heute sind die Grundstücke südlich des Krokusweges weitgehend bebaut, nur am Weg selber können immer noch 4 Grundstücke oberhalb und 2 unterhalb des Primelwegs bebaut werden. Fast noch eine Idylle?

In den letzten knapp 20 Jahren haben sich neben den verschiedenen Liebherr-Erweiterungen und entlang der Max-Planckstraße viele Gewerbetreibende angesiedelt, was die Wohnqualität nicht allzu sehr beeinträchtigt, da der Krokusweg immer noch ein geschotteter Feldweg blieb.

Auch der Ausbau des Berkacher Grundes zum Gewerbegebiet wurde klaglos hingenommen, obwohl die Bewegungsfreiheiten zunehmend in Richtung Norden eingeengt wurden.

Aber als dann ganz plötzlich die Bagger anrückten und bei dem einen Haus im Primelweg in ca. 10 m von der Terrasse entfernt zu graben begangen, nachdem seitens des Bauamtes anlässlich einer Nachfrage im Januar 2011 es völlig offen sei, wann der Krokusweg ausgebaut werden würde, war es mit der Ruhe und Gelassenheit der angrenzenden Bewohner vorbei.

Wir empfanden alle, dass unser Interesse an einem ruhigen Wohngebiet, frei von LKWs und Durchgangsverkehr, sich nicht der optimalen Verkehrsführung für das Gewerbegebiet unterordnen müsste. Üblicherweise müssen z.B. Bauherren vorhandene Beeinträchtigungen wie z.B. Gerüche oder Lärm hinnehmen, wenn solche bereits vorhanden sind und sie in deren Nähe bauen wollten und wir Anwohner in den Wegen mit den verschiedenen Blumennamen waren zuerst da!

Als die Betroffenen sich zusammenfanden und die Gelegenheit hatten, mit Herrn Fiesel als Leiter des Stadtbauamtes zu sprechen, wurden wir darauf hingewiesen, dass die ursprüngliche Planung aus den 70er Jahren stamme und 2004 eine Änderung in der Bebauung (eben keine Einfamilienhäuser sondern nur Gewerbegebiet) durch den Gemeinderat “abgesegnet” worden sei. Damals hätten wir etwas dazu sagen können. Das Bauamt geht wohl davon aus, dass man täglich eine Ehinger Zeitung lesen muss, um ggf. eine Veränderung mitzubekommen, die den eigenen Grund und Boden betrifft, um sich beschweren zu können.

Dank der Initiative einiger Bewohner konnte ein Gespräch mit Oberbürgermeister Baumann stattfinden. Ihm wurden die Vorschläge der Anwohner mitgeteilt und er hörte ernsthaft zu und unterbreitete seinerseits Änderungsvorschläge, die einerseits uns Anwohner die Ängste wegen eines ausufernden LKW-Verkehrs nehmen sollten und andererseits signalisierten, dass es der Verwaltung wichtig ist, dass hier berechtigten Befürchtungen nicht einfach vom Tisch gefegt werden würden. Die Ergebnisse des Gesprächs wurden von den Anwohnern schriftlich zusammengefasst und OB Baumann zugeschickt mit der Bitte, diese zu bestätigen bzw. unterschiedliche Interpretationen festzuhalten. Im Wesentlichen ist darüber in der Ehinger Presse richtig berichtet worden. Die nun weiterreichenden Entwicklungen im gesamten Berkacher Grund und in Berkach lassen hoffen, dass sowohl die Anwohner wie auch die Gewerbetreibenden dort zusammen leben könnten.

Es stimmt einen trotz aller Beschwichtigungen nachdenklich, wenn man beobachten muss, wie eine Hecke, die gut 40 Jahre entlang des Krokusweges stand und von einem Bauern als Teil der Einzäunung für ein Obstbaumgrundstück gepflanzt worden und für unzählige Vögel die einzige Brutstätte war, so in kürzester Zeit von einem Bagger vernichtet wird. Warum werden vorhandene Biotope grundsätzlich einem Neubaugebiet untergeordnet? Warum kann man nicht etwas großzügiger planen und für solche Räume Platz lassen?

Gudrun Sigloch-Holtz, Primelweg

Verfasst am 16.04.2011 um 11:28 Uhr von mit den Stichworten , , , , .
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Kommentare

  1. Tanja Kraiss17. April 2011

    Schöner Beitrag!

    Antworten
  2. Heike Baisl19. April 2011

    Ich finde, Frau Sigloch-Holtz
    hat mit Ihren Gedanken völlig
    recht.
    Leider fühlen sich aber bestimmte Leute nicht angesprochen.
    Das finde ich sehr traurig !

    Antworten
  3. Brigitte Schmid19. April 2011

    Vielen Dank Frau Sigloch-Holtz, sie hätten die ganze Situation nicht treffender ausdrücken können. Für mich persönlich hat die Wohnqualität in den letzten Jahren sehr nachgelassen und ich hoffe nur, dass sich die Vorraussagen des Herrn Baumann bestätigen. Vielleicht wäre es auch gut, wenn sich die interessierten Anwohner treffen könnten um Maßnahmen zu überlegen, falls der Lärm doch zu stark wird.

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